In Kalifornien ist der medizinische Gebrauch von Cannabis seit 1996 legal, in Colorado seit dem Jahr 2000. Fast unbemerkt vom Rest der Welt hat sich dort eine Hanfszene entwickelt, die sich mit der niederländischen durchaus messen kann. Auch dem Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, kann man nicht gerade prohibitionistische Tendenzen unterstellen, auch wenn er sich nicht direkt für die Legalisierung von Cannabis zum „recreational use" (Gebrauch zur Entspannung) ausspricht: Er selbst sei nicht für eine Freigabe von Cannabis, hält die Idee des Abgeordneten Tom Ammiano, Marihuana wie Alkohol zu behandeln aber für durchaus diskussionswürdig. Auch Aussagen wie „Marihuana ist keine Droge, es ist ein Blatt" oder Ja, wir wussten, wie man ordentlich feiert" werfen ein Licht auf die entspannte Einstellung des gebürtigen Österreichers.Obamas Wahl wirkt zuerst wie ein Befreiungsschlag
Auch schon zu Zeiten der Bush-Administration waren an der Westküste Aktionen wie das Seattle Hemp Fest (http://hempfest.org)oder der 420 Day in Santa Cruz /Kalifornien möglich, die in Deutschland mit Massenverhaftungen enden würden. Vor den Augen der Polizei trifft sich die Studentenschaft der Universität Santa Cruz jedes Jahr am 20.4. um 16.20, um den gesamten Campus süßlich duften zu lassen. Ein mentales Kräftemessen auf und mit grünem Gras, das seit 1991 friedlich und unter Duldung lokaler Behörden stattfinden kann, egal welche Coleur die Bundesregierung gerade hat. Doch die Wahl Obamas hat anscheinend einen schlafenden Hanf-Riesen an der Westküste der USA geweckt, auch Washington State ist mit seiner Hauptstadt Seattle mittlerweile ein El-Dorado für Hanffreunde. Rechnet man noch das kanadische British Columbia mit seiner Hauptstadt Vancouver hinzu so kann man getrost von einem „Hemp-Belt" an der Westküste Nordamerikas sprechen. (Ähnlich dem Cotton Belt zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitkrieges).
Die USA sind zwar nach dem Ende der Bush-Administration noch lange nicht die Niederlande, aber das Thema Legalisierung wird seit der Wahl Obamas in den Medien immer lauter und heftiger diskutiert.
Auch Prominente. die bisher geschwiegen haben, fordern jetzt Obama auf, seine Cannabisgesetzgebung zu überdenken, darunter klangvolle Namen wie Carlos Santana oder Bratt Pitt. Im Mutterland des „War an drugs" scheint Bewegung in verkrustete Strukturen zu kommen, die Verwendung von medizinischem Marihuana ist mittlerweile in 14 Bundesstaaten legal. Hanfpolitik ist zur Zeit ein „Mainstream"-Thema in den Nachrichten und Städte wie Denver oder Seattle haben Gras im Alleingang de facto entkriminalisiert, indem der Besitz bis zu einer Unze (ca. 28,5 Gramm) nur noch mit einer symbolischen oder sehr geringen Buße belegt wird. Das auch nur, um nicht mit den Bundesgesetzen in Konflikt zu geraten. Wen das überrascht sollte nicht vergessen, dass:
- die erste Hanfzeitung der Welt aus den USA kam
- der erste anerkannte Medizinalpatient der Welt aus Kalifornien stammt
- der erste Cannabisautomat weltweit in L.A. steht.
- die erste Pot-Demo der Welt dort stattfand (der Million Marihuana March)
- die amerikanischen Beatniks und später die Hippies die damals bei uns vergessene. weil verbotene Kulturpflanze Hanf, überhaupt erst wiederentdeckt haben.
Die „Medical Dispensaries" sorgen jetzt für Aufregung
Doch die Realität hat die Frage nach einer Legalisierung zumindest in weiten Teilen Kaliforniens und Colorados schon fast überholt: Alleine in Los Angeles wird die Zahl der „Medical Dipensaries", in denen registrierte Hanf-Patienten ihre Medizin erwerben können, auf 1200-1800 geschätzt. In Kalifornien waren 2008 über 15.000 Patienten registriert, deren Genehmigungen für Hanfmedikation ein Jahr lang gelten, Tendenz stark steigend. Zur Zeit gibt es drei Möglichkeiten, mit einem gültigen Rezept, das zwischen 20 und 100S Gebühr kostet, an seine Medizin zu kommen:
- Man baut selbst an, die Genehmigung regelt die Anzahl der Pflanzen
- Man gibt seine Anbaugenehmigung einem „Caregiver". Der darf bis zu fünf Patienten maximal versorgen. Einfach und unbürokratisch
- Man kauft sein Weed in einer der Dispensaries. Das kostet zwischen acht (schwaches Outdoor) und fünfzig Dollar (starkes Bubblelator-Hasch) pro Gramm. Dafür gibt es fachgerechte Beratung sowie eine große Sortenauswahl. Mittlerweile kann man sich zum Hanffachverkäufer ausbilden lassen und so die Patienten bei der indikationsgerechten Sortenauswahl beraten. Bei den Hanfapotheken liegt gleichzeitig auch das aktuelle Problem. Eine Dispensary braucht natürlich mehr als nur einen Caregiver mit fünf Patienten und so wird in den Augen der DEA aus der Hanfapotheke schnell ein illegaler Drogenumschlagplatz, obwohl nur an lizensierte Patienten verkauft wurde. Der Staat regelt die Abgabe der Medizin gesetzlich noch nicht oder vollkommen unzureichend. Er gibt weder privaten Patienten-Initiativen noch Geschäftsleuten die Möglichkeit, die Versorgung auch in größerem Umfang selbst in die Hand zu nehmen. ohne sich auf juristisch höchst unsicheres Terrain zu begeben. Ohne die Dispensaries hätten Kalifornien und Colorado jedoch ein Problem mit der flächendeckenden Versorgung der anerkannten Patienten, da nur ein Bruchteil selbst anbauen kann oder einem „Caregiver" vertraut.
Der Stadtrat von L.A. hat nun beschlossen, die Zahl der Hanfapotheken zu reduzieren, ohne jedoch nachvollziehbare oder realisierbare Richtlinien auszugeben oder den bereits bestehenden Ausgabestellen die Möglichkeit einer nachträgliche Registrierung zu gewähren. Hiergegen klagen einige Betreiber von Hanfapotheken, ein Urteil stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Gewinnt die Stadt ist das ein gefundenes Fressen für die DEA (Drug Enforcement Agency), die nur darauf gewartet hatte, wieder im großen Stil gegen Patientenkollektive vorgehen zu können. Im Wahlkampf Jahr hatte Obama erklärt, dass er die Regelungen der einzelnen Bundesstaaten zu medizinischem Marihuana im Falle seiner Wahl auch respektiere. Nach einer Zeit der Ruhe hat die DEA 2010 wieder vereinzelt angefangen, Dispensaries in Kalifornien und Colarado zu schließen und Mitglieder von so genannten Grow-Kollektiven festzunehmen. Damit die DEA vorstellig werden kann, müssen sie vorher jedoch „beweisen", dass die Verdächtigen gegen Bundes- sowie Landesrecht verstoßen, was in Staaten wie Kalifornien oder Colarado oft zu seltsamen Konstrukten führt, weil die Verwendung von medizinischen Marihuana dort legal ist, es aber keinerlei detaillierte Bestimmungen über die Abgabe gibt: Von offizieller Seite ist zu vernehmen, Landesrecht breche, wer medizinisches Marihuana an Minderjährige verkaufe und/oder gegen Geldwäsche- oder Waffengestze verstoße. Dann ist es aus mit der Apotheke. Alle drei „Gründe"sind jedoch nicht genau definiert, sondern dehnbar: Volljährig ist man in den USA ab 21, kommt eine Person zwischen 18 und 21 Jahren mit gültigen Rezept in eine Apotheke und erhält ihre Medizin, so können die Behörden schon eine Abgabe an Minderjährige hinein interpretieren. Für Aufsehen sorgte ein Fall, bei dem ein „Caregiver" als Dealer verurteilt wurde, weil das Rezept eines 18 jährigen Krebspatienten, dem ein Bein amputiert wurde. „eingelöst" hatte.
Noch dehnbarer ist die Sache mit dem Geldwäscheparagraphen. Da die Beschaffung der Medizin immer noch eine Grauzone ist, wird ein Hanfapotheker kaum ordentlich Buch über seine Produzenten führen können- fertig ist die Geldwäsche. So wird jede Ausgabestelle zum potentiellen Ziel der DEA.
Last but not least ist das mit dem illegalen Waffenbesitz in einem Land, in dem man vielerorts offen eine Waffe tragen darf und Gewehre im Laden kaufen kann, auch ein sehr willkürlicher Verdachtsmoment. Gerade in L.A. hat wohl jeder Imbissbudenbesitzer mindestens eine Knarre unterm Tresen. Dass laut einer Studie des FBIs Kriminalitätsrate im Umfeld solcher „Dispensaries" rückläufig sind, sei hier nur am Rande erwähnt.
Hanf heilt nicht nur tödliche Krankheiten
Waren es in den 1990er Jahren noch vorwiegend Patienten mit Indikationen wie Krebs, AIDS oder MS, so haben die Ärzte in den USA mittlerweile das breite Wirkungsspektrum von natürlichem THC erkannt. Bei Migräne, Epilepsie, Alzheimer, Morbus Crohn, Schlafproblemen, Diabetes, Essstörungen und sogar Schizophrenie wird Cannabis in Kalifornien bereits erfolgreich eingesetzt und hat oft weniger Nebenwirkungen als verschreibungsfähige Medikamente. Gegenüber der landläufigen Meinung kann Cannabis bei Schizophrenie den Krankheitsverlauf sogar positiv beeinflussen.
Wissenschaftler der Universität von Berkley/ Kalifornien haben Anzeichen dafür gefunden, dass Cannabis aufgrund geringer Neben wirkungen und des niedrigen Suchtpotentials besser geeignet ist, eine Alkoholentgiftung medikamentös zu unterstützen als herkömmliche, verschreibungsfähige Arzneimittel. Die Forscher haben hierzu Patienten von "Medical Dispensaries" in Berkley/Kalifornien befragt. Vier von zehn Befragten sagten, Hanf helfe ihnen. das Verlangen nach Alkohol zu unterdrücken. Großbritannien sei ob seines hohen Alkoholmissbrauchpotentials der ideale Ort, um diese radikale Herangehensweise zu testen , so die Forscher.
Im November 2009 hat die Ärztevereinigung der USA, AMA (American Medical Association) ihre 72 Jahre Position zu Cannabis offiziell korrigiert, der zu Folge Cannabis keinerlei medizinischen Nutzen habe. Statt dessen wurde der therapeutische Nutzen bei einigen Indikationen betont und gefordert, die Cannabinoidforschung zu intensivieren.
taxcannabis.org
Selbst der Gebrauch von Marihuana als Genussmittel scheint in Kalifornien nicht mehr undenkbar: Die kalifornische Initiative Tax Cannabis 2010 hat bereits 434.000 Unterschriften gesammelt.
Die Initiative erwartet nun aufgrund der ausreichenden Anzahl von Unterstützer/innen, dass über ihren Gesetzesvorschlag. die Cannabisprodukte zum "recreational use" (zur "Entspannung") unter strengsten Jugendschutzauflagen zu legalisieren, im November 2010 abgestimmt wird. Die Legalisierung und Besteuerung erfährt besonders in Kalifornien eine breite Unterstützung der Bevölkerung, Experten erwarten zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 14 Milliarden Dollar.
Die Gesetzgeber des Bundesstaates hatten im November 2009 eine Anhörung über die Regulierung und Besteuerung der kommerziellen Produktion und Verteilung von Marihuana für Erwachsene ab 21 Jahren zugelassen. Die Anhörung wurde von Tom Ammiano, Abgeordneter im Landesparlament von Kalifornien, geleitet. Der Gesetzesvorschlag 390 regelt eine kontrollierte Abgabe von Marihuana an Erwachsene und könnte noch in diesem Jahr zur Abstimmung kommen.
Obama 2010: Bauernopfer „Medical Marihuana"?
Langsam wird es auch für Präsident Obama ungemütlich, denn seine Unentschlossenheit in Sachen Medical Marihuana macht es ihm in Staaten wie Colorado und Kalifornien nicht gerade leicht: Die DEA ist gerade dabei, in beiden Staaten wieder verstärkt Patientenkollektive zu husten, obwohl Obama das Gegenteil versprochen hatte. In diesen Bundesstaaten sind über 50 Prozent der Wähler für eine Legalisierung von Cannabis, die In Fragestellung der medizinischen Anwendung und die Verhaftung von Patienten wie Chris Bartkowicz im Februar 2010 ist Hauptthema in allen Nachrichtensendungen und einem Großteil der Wählerschaft dort nicht zu vermitteln. In Denver oder San Fransicsco lautet die Frage vielmehr: „Wann und wie wird legalisiert", die medizinische Nutzung ist dort schon Schnee von gestern und allgemeiner Konsens. Da passt die DEA mit der Verhaftung von Patienten und Apothekern nicht mehr zum Zeitgeist. Mittlerweile fragten sich viele, warum der Präsident hier kein Machtwort spricht, wenigstens um seine eigene Glaubwürdigkeit in seiner Hochburg Denver nicht zu verlieren.
Hatte sein Sprecher Eric Holden noch am 25.2.2009 bestätigt, dass die DEA nicht mehr gegen registrierte Patienten oder deren Einrichtungen vorginge, konnte man mit der Ernennung von Hardlinerin Michelle Leonart im Herbst 2009 schon erkennen, dass Obama bereit ist, das politische Bauernopfer „Medical Marihuana" zu bringen, um bei den Konservativen bei anderen Themen wie Gesundheitsreform auf Unterstützung zählen zu können. Insider hatten zuvor damit gerechnet, dass Leonhart, die gerade bei der medizinischen Anwendung, die in 14 Bundesstaaten legal ist, eine harte Linie vertritt, von Obama nicht im Amt bestätigt wird.
LEAP- Polizisten und Staatsanwälte für die Legalisierung
Selbst engagierte Ermittlungsbehörden sind in den USA gar Teil der Legalisierungsbewegung: Nicht nur das Cannabisverbot, sondern sogar die Drogenprohibition ganz allgemein wird von immer mehr Polizisten in Frage gestellt. Auch andere Berufsgruppen, die sich mit der Kifferverfolgung beschäftigen müssen, sind zunehmend skeptisch. Richter, Staatsanwälte und Gefängnisdirektoren beteiligen sich ebenfalls öffentlich an der Diskussion. In den USA gibt es sogar eine Dachorganisation solcher Berufsgruppen mit dem Ziel, die Drogenprohibition abzuschaffen: LEAP - Law Enforcement Against Prohibition. Viele Vertreter von LEAP kämpfen unermüdlich für die Legalisierung mit dem Motto: „Cops say legalize- ask us why". Aus Kalifornien meldete sich der Richter Jim Gray mit einer Video-Botschaft zu Wort, in der er erklärt, warum er das Verbot von Marihuana für schädlich hält und es lieber legalisieren will.
Die USA als Trendsetter für Europa?
Die vergangenen Jahrzehnte haben bewiesen, dass es kaum einen Trend in den USA gibt. der sich nicht auch hier durchsetzt. Auch in immer mehr Mitgliedsstaaten der EU gibt es zaghafte initiativen zur Zulassung von Cannabis als Medizin sowie einer akzeptanzorientierten Drogenpolitik . Bleibt zu hoffen, dass die USA irgendwann in naher oder ferner Zukunft ihre internationale Vormachtstellung ausnutzen von der EU fordern, Cannabis als Medikament zuzulassen und die Gesetzgebung zu überdenken.
31.05.2010: Samenwahl - Hanfboom im Wilden Westen - Cannabis
Autor: hemcy Kategorie: AllgemeinIn Kalifornien ist der medizinische Gebrauch von Cannabis seit 1996 legal, in Colorado seit dem Jahr 2000. Fast unbemerkt vom Rest der Welt hat sich dort eine Hanfszene entwickelt, die sich mit der niederländischen durchaus messen kann. Auch dem Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, kann man nicht gerade prohibitionistische Tendenzen unterstellen, auch wenn er sich nicht direkt für die Legalisierung von Cannabis zum „recreational use" (Gebrauch zur Entspannung) ausspricht: Er selbst sei nicht für eine Freigabe von Cannabis, hält die Idee des Abgeordneten Tom Ammiano, Marihuana wie Alkohol zu behandeln aber für durchaus diskussionswürdig. Auch Aussagen wie „Marihuana ist keine Droge, es ist ein Blatt" oder Ja, wir wussten, wie man ordentlich feiert" werfen ein Licht auf die entspannte Einstellung des gebürtigen Österreichers. Obamas Wahl wirkt zuerst wie ein Befreiungsschlag
Auch schon zu Zeiten der Bush-Administration waren an der Westküste Aktionen wie das Seattle Hemp Fest (http://hempfest.org)oder der 420 Day in Santa Cruz /Kalifornien möglich, die in Deutschland mit Massenverhaftungen enden würden. Vor den Augen der Polizei trifft sich die Studentenschaft der Universität Santa Cruz jedes Jahr am 20.4. um 16.20, um den gesamten Campus süßlich duften zu lassen. Ein mentales Kräftemessen auf und mit grünem Gras, das seit 1991 friedlich und unter Duldung lokaler Behörden stattfinden kann, egal welche Coleur die Bundesregierung gerade hat. Doch die Wahl Obamas hat anscheinend einen schlafenden Hanf-Riesen an der Westküste der USA geweckt, auch Washington State ist mit seiner Hauptstadt Seattle mittlerweile ein El-Dorado für Hanffreunde. Rechnet man noch das kanadische British Columbia mit seiner Hauptstadt Vancouver hinzu so kann man getrost von einem „Hemp-Belt" an der Westküste Nordamerikas sprechen. (Ähnlich dem Cotton Belt zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitkrieges).
Die USA sind zwar nach dem Ende der Bush-Administration noch lange nicht die Niederlande, aber das Thema Legalisierung wird seit der Wahl Obamas in den Medien immer lauter und heftiger diskutiert.
Auch Prominente. die bisher geschwiegen haben, fordern jetzt Obama auf, seine Cannabisgesetzgebung zu überdenken, darunter klangvolle Namen wie Carlos Santana oder Bratt Pitt. Im Mutterland des „War an drugs" scheint Bewegung in verkrustete Strukturen zu kommen, die Verwendung von medizinischem Marihuana ist mittlerweile in 14 Bundesstaaten legal. Hanfpolitik ist zur Zeit ein „Mainstream"-Thema in den Nachrichten und Städte wie Denver oder Seattle haben Gras im Alleingang de facto entkriminalisiert, indem der Besitz bis zu einer Unze (ca. 28,5 Gramm) nur noch mit einer symbolischen oder sehr geringen Buße belegt wird. Das auch nur, um nicht mit den Bundesgesetzen in Konflikt zu geraten. Wen das überrascht sollte nicht vergessen, dass:
- die erste Hanfzeitung der Welt aus den USA kam
- der erste anerkannte Medizinalpatient der Welt aus Kalifornien stammt
- der erste Cannabisautomat weltweit in L.A. steht.
- die erste Pot-Demo der Welt dort stattfand (der Million Marihuana March)
- die amerikanischen Beatniks und später die Hippies die damals bei uns vergessene. weil verbotene Kulturpflanze Hanf, überhaupt erst wiederentdeckt haben.
Die „Medical Dispensaries" sorgen jetzt für Aufregung
Doch die Realität hat die Frage nach einer Legalisierung zumindest in weiten Teilen Kaliforniens und Colorados schon fast überholt: Alleine in Los Angeles wird die Zahl der „Medical Dipensaries", in denen registrierte Hanf-Patienten ihre Medizin erwerben können, auf 1200-1800 geschätzt. In Kalifornien waren 2008 über 15.000 Patienten registriert, deren Genehmigungen für Hanfmedikation ein Jahr lang gelten, Tendenz stark steigend. Zur Zeit gibt es drei Möglichkeiten, mit einem gültigen Rezept, das zwischen 20 und 100S Gebühr kostet, an seine Medizin zu kommen:
- Man baut selbst an, die Genehmigung regelt die Anzahl der Pflanzen
- Man gibt seine Anbaugenehmigung einem „Caregiver". Der darf bis zu fünf Patienten maximal versorgen. Einfach und unbürokratisch
- Man kauft sein Weed in einer der Dispensaries. Das kostet zwischen acht (schwaches Outdoor) und fünfzig Dollar (starkes Bubblelator-Hasch) pro Gramm. Dafür gibt es fachgerechte Beratung sowie eine große Sortenauswahl. Mittlerweile kann man sich zum Hanffachverkäufer ausbilden lassen und so die Patienten bei der indikationsgerechten Sortenauswahl beraten. Bei den Hanfapotheken liegt gleichzeitig auch das aktuelle Problem. Eine Dispensary braucht natürlich mehr als nur einen Caregiver mit fünf Patienten und so wird in den Augen der DEA aus der Hanfapotheke schnell ein illegaler Drogenumschlagplatz, obwohl nur an lizensierte Patienten verkauft wurde. Der Staat regelt die Abgabe der Medizin gesetzlich noch nicht oder vollkommen unzureichend. Er gibt weder privaten Patienten-Initiativen noch Geschäftsleuten die Möglichkeit, die Versorgung auch in größerem Umfang selbst in die Hand zu nehmen. ohne sich auf juristisch höchst unsicheres Terrain zu begeben. Ohne die Dispensaries hätten Kalifornien und Colorado jedoch ein Problem mit der flächendeckenden Versorgung der anerkannten Patienten, da nur ein Bruchteil selbst anbauen kann oder einem „Caregiver" vertraut.
Der Stadtrat von L.A. hat nun beschlossen, die Zahl der Hanfapotheken zu reduzieren, ohne jedoch nachvollziehbare oder realisierbare Richtlinien auszugeben oder den bereits bestehenden Ausgabestellen die Möglichkeit einer nachträgliche Registrierung zu gewähren. Hiergegen klagen einige Betreiber von Hanfapotheken, ein Urteil stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest. Gewinnt die Stadt ist das ein gefundenes Fressen für die DEA (Drug Enforcement Agency), die nur darauf gewartet hatte, wieder im großen Stil gegen Patientenkollektive vorgehen zu können. Im Wahlkampf Jahr hatte Obama erklärt, dass er die Regelungen der einzelnen Bundesstaaten zu medizinischem Marihuana im Falle seiner Wahl auch respektiere. Nach einer Zeit der Ruhe hat die DEA 2010 wieder vereinzelt angefangen, Dispensaries in Kalifornien und Colarado zu schließen und Mitglieder von so genannten Grow-Kollektiven festzunehmen. Damit die DEA vorstellig werden kann, müssen sie vorher jedoch „beweisen", dass die Verdächtigen gegen Bundes- sowie Landesrecht verstoßen, was in Staaten wie Kalifornien oder Colarado oft zu seltsamen Konstrukten führt, weil die Verwendung von medizinischen Marihuana dort legal ist, es aber keinerlei detaillierte Bestimmungen über die Abgabe gibt: Von offizieller Seite ist zu vernehmen, Landesrecht breche, wer medizinisches Marihuana an Minderjährige verkaufe und/oder gegen Geldwäsche- oder Waffengestze verstoße. Dann ist es aus mit der Apotheke. Alle drei „Gründe"sind jedoch nicht genau definiert, sondern dehnbar: Volljährig ist man in den USA ab 21, kommt eine Person zwischen 18 und 21 Jahren mit gültigen Rezept in eine Apotheke und erhält ihre Medizin, so können die Behörden schon eine Abgabe an Minderjährige hinein interpretieren. Für Aufsehen sorgte ein Fall, bei dem ein „Caregiver" als Dealer verurteilt wurde, weil das Rezept eines 18 jährigen Krebspatienten, dem ein Bein amputiert wurde. „eingelöst" hatte.
Noch dehnbarer ist die Sache mit dem Geldwäscheparagraphen. Da die Beschaffung der Medizin immer noch eine Grauzone ist, wird ein Hanfapotheker kaum ordentlich Buch über seine Produzenten führen können- fertig ist die Geldwäsche. So wird jede Ausgabestelle zum potentiellen Ziel der DEA.
Last but not least ist das mit dem illegalen Waffenbesitz in einem Land, in dem man vielerorts offen eine Waffe tragen darf und Gewehre im Laden kaufen kann, auch ein sehr willkürlicher Verdachtsmoment. Gerade in L.A. hat wohl jeder Imbissbudenbesitzer mindestens eine Knarre unterm Tresen. Dass laut einer Studie des FBIs Kriminalitätsrate im Umfeld solcher „Dispensaries" rückläufig sind, sei hier nur am Rande erwähnt.
Hanf heilt nicht nur tödliche Krankheiten
Waren es in den 1990er Jahren noch vorwiegend Patienten mit Indikationen wie Krebs, AIDS oder MS, so haben die Ärzte in den USA mittlerweile das breite Wirkungsspektrum von natürlichem THC erkannt. Bei Migräne, Epilepsie, Alzheimer, Morbus Crohn, Schlafproblemen, Diabetes, Essstörungen und sogar Schizophrenie wird Cannabis in Kalifornien bereits erfolgreich eingesetzt und hat oft weniger Nebenwirkungen als verschreibungsfähige Medikamente. Gegenüber der landläufigen Meinung kann Cannabis bei Schizophrenie den Krankheitsverlauf sogar positiv beeinflussen.
Wissenschaftler der Universität von Berkley/ Kalifornien haben Anzeichen dafür gefunden, dass Cannabis aufgrund geringer Neben wirkungen und des niedrigen Suchtpotentials besser geeignet ist, eine Alkoholentgiftung medikamentös zu unterstützen als herkömmliche, verschreibungsfähige Arzneimittel. Die Forscher haben hierzu Patienten von "Medical Dispensaries" in Berkley/Kalifornien befragt. Vier von zehn Befragten sagten, Hanf helfe ihnen. das Verlangen nach Alkohol zu unterdrücken. Großbritannien sei ob seines hohen Alkoholmissbrauchpotentials der ideale Ort, um diese radikale Herangehensweise zu testen , so die Forscher.
Im November 2009 hat die Ärztevereinigung der USA, AMA (American Medical Association) ihre 72 Jahre Position zu Cannabis offiziell korrigiert, der zu Folge Cannabis keinerlei medizinischen Nutzen habe. Statt dessen wurde der therapeutische Nutzen bei einigen Indikationen betont und gefordert, die Cannabinoidforschung zu intensivieren.
taxcannabis.org
Selbst der Gebrauch von Marihuana als Genussmittel scheint in Kalifornien nicht mehr undenkbar: Die kalifornische Initiative Tax Cannabis 2010 hat bereits 434.000 Unterschriften gesammelt.
Die Initiative erwartet nun aufgrund der ausreichenden Anzahl von Unterstützer/innen, dass über ihren Gesetzesvorschlag. die Cannabisprodukte zum "recreational use" (zur "Entspannung") unter strengsten Jugendschutzauflagen zu legalisieren, im November 2010 abgestimmt wird. Die Legalisierung und Besteuerung erfährt besonders in Kalifornien eine breite Unterstützung der Bevölkerung, Experten erwarten zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 14 Milliarden Dollar.
Die Gesetzgeber des Bundesstaates hatten im November 2009 eine Anhörung über die Regulierung und Besteuerung der kommerziellen Produktion und Verteilung von Marihuana für Erwachsene ab 21 Jahren zugelassen. Die Anhörung wurde von Tom Ammiano, Abgeordneter im Landesparlament von Kalifornien, geleitet. Der Gesetzesvorschlag 390 regelt eine kontrollierte Abgabe von Marihuana an Erwachsene und könnte noch in diesem Jahr zur Abstimmung kommen.
Obama 2010: Bauernopfer „Medical Marihuana"?
Langsam wird es auch für Präsident Obama ungemütlich, denn seine Unentschlossenheit in Sachen Medical Marihuana macht es ihm in Staaten wie Colorado und Kalifornien nicht gerade leicht: Die DEA ist gerade dabei, in beiden Staaten wieder verstärkt Patientenkollektive zu husten, obwohl Obama das Gegenteil versprochen hatte. In diesen Bundesstaaten sind über 50 Prozent der Wähler für eine Legalisierung von Cannabis, die In Fragestellung der medizinischen Anwendung und die Verhaftung von Patienten wie Chris Bartkowicz im Februar 2010 ist Hauptthema in allen Nachrichtensendungen und einem Großteil der Wählerschaft dort nicht zu vermitteln. In Denver oder San Fransicsco lautet die Frage vielmehr: „Wann und wie wird legalisiert", die medizinische Nutzung ist dort schon Schnee von gestern und allgemeiner Konsens. Da passt die DEA mit der Verhaftung von Patienten und Apothekern nicht mehr zum Zeitgeist. Mittlerweile fragten sich viele, warum der Präsident hier kein Machtwort spricht, wenigstens um seine eigene Glaubwürdigkeit in seiner Hochburg Denver nicht zu verlieren.
Hatte sein Sprecher Eric Holden noch am 25.2.2009 bestätigt, dass die DEA nicht mehr gegen registrierte Patienten oder deren Einrichtungen vorginge, konnte man mit der Ernennung von Hardlinerin Michelle Leonart im Herbst 2009 schon erkennen, dass Obama bereit ist, das politische Bauernopfer „Medical Marihuana" zu bringen, um bei den Konservativen bei anderen Themen wie Gesundheitsreform auf Unterstützung zählen zu können. Insider hatten zuvor damit gerechnet, dass Leonhart, die gerade bei der medizinischen Anwendung, die in 14 Bundesstaaten legal ist, eine harte Linie vertritt, von Obama nicht im Amt bestätigt wird.
LEAP- Polizisten und Staatsanwälte für die Legalisierung
Selbst engagierte Ermittlungsbehörden sind in den USA gar Teil der Legalisierungsbewegung: Nicht nur das Cannabisverbot, sondern sogar die Drogenprohibition ganz allgemein wird von immer mehr Polizisten in Frage gestellt. Auch andere Berufsgruppen, die sich mit der Kifferverfolgung beschäftigen müssen, sind zunehmend skeptisch. Richter, Staatsanwälte und Gefängnisdirektoren beteiligen sich ebenfalls öffentlich an der Diskussion. In den USA gibt es sogar eine Dachorganisation solcher Berufsgruppen mit dem Ziel, die Drogenprohibition abzuschaffen: LEAP - Law Enforcement Against Prohibition. Viele Vertreter von LEAP kämpfen unermüdlich für die Legalisierung mit dem Motto: „Cops say legalize- ask us why". Aus Kalifornien meldete sich der Richter Jim Gray mit einer Video-Botschaft zu Wort, in der er erklärt, warum er das Verbot von Marihuana für schädlich hält und es lieber legalisieren will.
Die USA als Trendsetter für Europa?
Die vergangenen Jahrzehnte haben bewiesen, dass es kaum einen Trend in den USA gibt. der sich nicht auch hier durchsetzt. Auch in immer mehr Mitgliedsstaaten der EU gibt es zaghafte initiativen zur Zulassung von Cannabis als Medizin sowie einer akzeptanzorientierten Drogenpolitik . Bleibt zu hoffen, dass die USA irgendwann in naher oder ferner Zukunft ihre internationale Vormachtstellung ausnutzen von der EU fordern, Cannabis als Medikament zuzulassen und die Gesetzgebung zu überdenken.
Hanfboom bei Samenwahl
Hanfboom hanfsamen kaufen
Hanfboom hanfsamen bestellen
samenwahl.com Trackback Url